Sterbender Mann schreibt neuem Besitzer seines Hundes emotionalen Brief.

Sie sagten, der Hund heiße Merlin, als ich ihn mir in seinem Gehege ansah. Ich wohnte erst seit Kurzem in der kleinen Stadt. Die Menschen waren freundlich und offen, doch irgendetwas fehlte mir. Also dachte ich, ein Hund wäre das Richtige für mich. Einfach jemanden haben, dem man etwas erzählen kann. Die Anzeige für den Hund hatte ich schon in der Zeitung gesehen. Das Tierheim meinte, es hätten sich schon einige Leute gemeldet. Aber die seien keine „Schäferhund-Menschen“ gewesen. Was auch immer sie damit meinten. Sie dachten aber, dass ich einer sei.

Sie gaben mir Merlins Sachen: einen Hundekorb, Näpfe, eine riesige Tüte voller neuer Tennisbälle und einen versiegelten Brief vom letzten Halter. Auf dem Nachhauseweg sprang die Freude nicht gerade über. Wir hatten die nächsten zwei Wochen ganz schön miteinander zu kämpfen. So viel Zeit sollte ich ihm laut Tierheim zur Eingewöhnung geben.

flickr/Jan-Willem Reusink

Warum auch immer, seine Sachen landeten, bis auf zwei Tennisbälle, die er immer im Maul mit sich herumschleppte, bei all meinen anderen nicht ausgepackten Umzugskartons. Ich dachte wohl, dass ich ihm einfach neue Sachen kaufen würde, sobald er sich eingewöhnt hätte. Schnell wurde klar, dass daraus nichts wird.

Ich versuchte es mit den Kommandos, die er laut Tierheim kannte: „Sitz!“ „Platz!“ „Komm her!“ Manchmal befolgte er sie, doch meistens schien er mir nicht mal zuzuhören. Klar hörte er auf seinen Namen: Wenn ich ihn vier- oder fünfmal rief. Dann sah er kurz in meine Richtung und machte einfach weiter mit dem, was er gerade tat.

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Es funktionierte einfach nicht mit ihm. Er zerkaute meine Schuhe und zerstörte einige meiner Sachen. Ich wurde sehr streng mit ihm, und er fing an es mir übel zu nehmen. Es wurde so schlimm, dass ich das Ende der zwei Wochen kaum noch abwarten konnte. Als es so weit war, suchte ich mein Telefon zwischen all den Kartons und fluchte über den verflixten Hund. Ich wollte das Tierheim informieren. Der Hund sollte weg.

Ich stolperte über das ganze Zeug, das mir das Tierheim für ihn mitgegeben hatte. Ich nahm ein Spielzeug davon und warf es in Merlins Richtung. Er schnüffelte daran und wedelte mit dem Schwanz. So viel Freude hatte ich bisher noch nicht bei ihm gesehen. Dann sah ich den Brief. Ich hatte ihn ganz vergessen. Laut dachte ich: „Okay Merlin, wollen wir mal sehen, ob dein alter Halter ein paar Tipps für mich hat.“

flickr/Dave Fayram

„An denjenigen, der meinen Hund bekommt,

ich kann nicht sagen, dass es mich glücklich macht, diesen Brief zu schreiben. Wenn du das liest, bedeutet es, dass mein letzter Spaziergang mit meinem Hund im Tierheim endete. Er wusste, etwas ist anders. Ich habe seinen Korb und die Spielsachen eingepackt, ehe er es sich auf dem Rücksitz bequem gemacht hat. Lass mich dir einige Dinge über meinen Hund sagen, in der Hoffnung, dass es euch damit leichter fällt, zueinander zu finden:

Er liebt Tennisbälle, je mehr, desto fröhlicher ist er. Manchmal glaube ich, in ihm steckt mehr Eichhörnchen als Hund, so wie er sie hortet. Er hat immer zwei auf einmal im Maul und versucht, noch einen dritten zu schnappen. Bisher hat er es nicht geschafft. Er kann außerdem ein paar Kommandos und weiß genau, was du meinst, wenn du ‚Ball‘, oder ‚Leckerchen‘ sagst. Ich füttere ihn zweimal täglich, morgens und abends. Seine Impfungen sind noch aktuell. Pass auf, dass du ans Auffrischen denkst. Er hasst den Tierarzt und weiß – woher auch immer – jedes Mal, dass wir hinfahren.

Gib ihm etwas Zeit. Ich war nie verheiratet. Es gab immer nur mich und Merlin. Er hat mich überallhin begleitet und ist auch im Auto artig. Er bellt nicht und ist gerne unter Menschen. Und sein Name ist nicht Merlin.

Ich konnte es einfach nicht ertragen, ihn mit seinem richtigen Namen abzugeben. Es hätte sich so endgültig angefühlt, und ich war nicht bereit dazu, mich für immer von ihm zu verabschieden. Sein richtiger Name ist Flynn, und ich denke, sein neuer Halter sollte es unbedingt wissen.

Meine Eltern sind tot und ich habe keine Geschwister oder sonst wen, der Flynn bei sich aufnehmen könnte. Also war das Tierheim meine einzige Wahl. Flynn war in den letzten sechs Jahren meine ganze Familie. Doch nun bin ich sehr krank und werde sterben.

Ich hoffe, eines Tages wird er den dritten Tennisball ins Maul bekommen.

Ich wünsche euch beiden alles Gute. Gib Flynn ein gutes Zuhause und jede Nacht eine extra Schmuseeinheit von mir.

Ich danke dir.“

Ich faltete den Brief und sah den Hund an. „Flynn“, sagte ich und sein Schwanz begann sofort zu wedeln. Ich sagte seinen Namen noch einige Male, und eine immer größere Welle der Zufriedenheit schien ihn zu überrollen. Ich streichelte seine Ohren, rieb durch sein Fell, vergrub mein Gesicht in seinem Nacken. Flynn sah auf und leckte über mein Gesicht. „Wollen wir etwas Ball spielen?“ Seine Augen leuchteten und die Ohren richteten sich auf. Er schnüffelte an meinen Händen und verschwand im anderen Zimmer. Als er zurückkam, hatte er drei Tennisbälle im Maul.

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