Der schmerzhafte Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters aus dem Tierheim.

Wenn Straßenhunde in Japan in ein Tierheim kommen, wird ihnen nicht viel Zeit gewährt. Ein paar Tage lang wird gewartet, ob die Besitzer sich melden, manchmal wird aktiv versucht, die Herrchen ausfindig zu machen. Denn nicht alle Hunde werden ausgesetzt, manche haben sich einfach verlaufen und werden jetzt verzweifelt gesucht. Während dieser Tage werden die Hunde gefüttert, gewaschen, gekrault, kurzum: Die Pfleger kümmern sich bestens um die Tiere, damit sie sich so wohl fühlen wie möglich.   

Flickr/klearchos

Wenn diese Zeit vorbei ist und niemand sich als Besitzer gemeldet hat, haben manche der Hunde immer noch die Chance, adoptiert zu werden. Wenn alles gut läuft, finden sie eine neue Familie. Falls sich aber niemand findet, bedeutet das in Japan das Todesurteil für die Tiere. Jede Woche müssen die Mitarbeiter Hunde in den Tod schicken, darunter auch Welpen, die keine Ahnung haben, was sie erwartet. Ein ehemaliger Mitarbeiter spricht nun über seine Erfahrungen und das, was er erlebt hat. Seine Zeilen treiben einem die Tränen in die Augen.

„Es ist Freitagmorgen - bitte wedle nicht mit dem Schwanz – Erfahrungen aus dem Tierheim.

Der Freitagmorgen ist für mich immer die schlimmste Zeit der Woche.
Wir haben uns zwar nur ein paar Tage um die Hunde gekümmert, während wir auf ihre Besitzer warteten, aber in dieser Zeit sind sie mir sehr ans Herz gewachsen. Wir suchen ihre Herrchen, füttern die Hunde, waschen sie, gehen mit ihnen raus, wir streicheln sie und geben ihnen in der kurzen Zeit, die wir haben, alles, was wir können. Diese paar Tage reichen, um die Hunde lieb zu gewinnen. 
Jeden Freitag werden die Hunde nach Oita gebracht, um dort getötet zu werden (ein paar wenige werden adoptiert). Versucht euch vorzustellen, wie wir uns fühlen, wenn wir die Hunde wegschicken müssen, um die wir uns gekümmert haben und die wir so lieb gewonnen haben. So fühle ich mich jedenfalls freitags Morgens:
Wedle nicht mit dem Schwanz und schau nicht zu mir hoch! Schau mich nicht mit diesen vertrauensvollen Augen an, die mich fragen: 'Ist es Zeit zum Essen?' 
Fletsche deine Zähne und belle mich hasserfüllt an. Das würde es so viel einfacher machen.
Sie werden dich töten. Schau mich also nicht mit diesen fröhlichen Augen an!
Sie vertrauen dir bis zum bitteren Ende. Seht ihr nicht, dass sie euch alle töten werden?
Wedle nicht mit dem Schwanz.
Es zerreißt uns Mitarbeitern das Herz.
Das bedeutet der Freitag für uns.
Wie viel leichter wäre es, wenn sie uns aggressiv anbellen würden?
Könnt ihr das Gefühl nachvollziehen?
Bevor ihr euer Haustier aussetzt oder ins Tierheim bringt, denkt an all die die schönen Momente, die ihr zusammen hattet. 
Euer Hund wird euch bis zum Ende vertrauen.
Vielleicht hat euer Hund irgendetwas angestellt, aber meistens fehlt ihm nur die Erziehung, wälzt nicht eure Verantwortung auf den Hund ab. Geht tief in euch und überlegt, was es wirklich bedeutet, ein Haustier zu haben.

Ein ehemaliger Mitarbeiter im
Umwelt-Team
Hygiene Abteilung
Nördliches Gesundheitszentrum in der Provinz Oita“

Flickr/mariposavet

Dieser Text wurde von Toru Watanabe verfasst, einem ehemaligen Mitarbeiter im Tierheim, der jetzt ein aktives Mitglied der Organisation „Home Peanuts“ ist. Diese Freiwilligenorganisation in der Provinz Oita will ein Bewusstsein für Tierschutz in Japan schaffen. Torus herzzereißender Bericht wird jetzt für den Kurs „Kokoro No Jugyo“ („Schule des Lebens“) verwendet, ein Aufklärungsseminar, das von der Gruppe angeboten wird. Weil der Text so unter die Haut geht, hat die Gruppe ihn auf Facebook veröffentlicht.

Damit ist die Gruppe Teil einer Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass keine Tiere mehr getötet werden. Trotzdem werden immer noch über 200.000 Hunde und Katzen jährlich in Japans Tierheime gebracht. Davon werden 170.000 sterben. Einfach nur, weil die Besitzer überfordert oder genervt sind. Weil ihre Hunde „ständig bellen“ oder sie plötzlich keine Haustiere mehr in der Wohnung halten dürfen. Die Methode ist dabei sehr grausam: Die Tiere werden in einen Raum gebracht, in den Kohlenmonoxid geleitet wird. Wenn die Tiere das Gas einatmen, ersticken sie langsam. Da in den letzten Jahren in Japan Haustiere im Trend lagen, stieg auch die Zahl ausgesetzter Tiere. Dabei hat es jedes Tier verdient, glücklich zu leben und nicht einfach weggeschmissen zu werden. Torus Worte gehen jeden etwas an, der sich ein Haustier zulegen möchte. Denn die Tiere sind mehr als nur ein Spielzeug, sie sind Lebewesen. Und für deren Haltung ist Verantwortung unbedingt erforderlich.

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