Delfinmutter tötet ihr Junges, um es vor der Gefangenschaft zu retten.

Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind ist eines der intuitivsten und intensivsten Gefühle, die ein Säugetier empfinden kann. Delfine, die als die intelligentesten Meeressäuger von allen gelten, machen hier keine Ausnahme. Die Tiere können starke Gefühle für ihre Familienmitglieder entwickeln, beschützen kranke und schwache Artgenossen und sind dafür bekannt, auch Menschen schon das Leben gerettet zu haben. Muttertiere sind gerade zu vernarrt in ihre Kinder und beschützen sie um alles in der Welt.

Deshalb ist es umso verstörender, wenn man erfährt, dass die Delfindame Lulu, die im japanischen Aquarium „Nagoyaaqua“ leben muss, ihr eigenes Kind kurz nach dessen Geburt tötete.

 

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Was zunächst unerklärlich und grausam erscheint, wird jedoch verständlich, wenn man einen Blick auf Lulus Lebensbedingungen wirft: Lulu ist einer von unzähligen Delfinen, die in der japanischen Taiji-Bucht gefangen wurden. Während die meisten ihrer Artgenossen zur Fleischverwertung noch vor Ort abgeschlachtet wurden, wurde Lulu am Leben gelassen, nur um im oben genanten Aquarium in einem winzigen Schwimmbecken ihr Dasein zu fristen. 

Delfine sind unfassbar intelligent und haben ein sehr leistungsstarkes Gehirn. Lulu wird nie das Massaker vergessen, das sie überlebte, und niemals verdrängen können, wie sich ein Leben in Freiheit anfühlt. Delfine sind schnelle Schwimmer, sie erreichen Geschwindigkeiten bis zu 55 Kilometer pro Stunde, sie tauchen 15 Minuten lang bis zu 300 Meter tief – und nichts von alldem kann Lulu in einem Aquarium tun. Doch vor allem der Verlust ihrer Familie wird ewig Narben auf ihrer Seele hinterlassen. Als Lulu nun ein Baby bekam, schien sie sich sicher zu sein, ihrem Kind ein Leben in Gefangenschaft ersparen zu wollen. Wie hätte sie es auch beschützen sollen, wenn sie doch selbst in einem Gefängnis lebte? Kurz nachdem sie ihr Kind zur Welt gebracht hatte, tötete sie es. Ein Akt der Liebe, möchte man denken, wenn eine Mutter tatsächlich alles tut, um ihr Kind vor dem Schicksal zu bewahren, das ihr selbst widerfahren ist.

Auch in Deutschland werden Delfine in sehr kleinen Aquarien in den Zoos in Nürnberg und Duisburg gehalten. Die Tierschutzorganisation PETA forderte die Zoos schon mehrmals auf, ihre Delfine in eine betreute Meeresbucht zu überführen und bot dafür sogar 100.000 Euro. Doch das Angebot wurde abgelehnt. PETA kritisierte bei der Haltung vor allem eines: „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Delfine in freier Natur 40 oder sogar 50 Jahre alt werden können. Aber mehr als 80 Prozent der Delfine in Gefangenschaft, deren Alter feststellbar war, starben, bevor sie 20 Jahre alt waren. Freilebende Orcas können ebenfalls mehrere Jahrzehnte alt werden – manche wurden älter als 90 –, aber die Orcas in Sea World und in anderen Meeresfreizeitparks überleben selten ihr 10. Lebensjahr.“

 

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Diese artwidrige Haltung ist also erwiesenermaßen sinnlos und nur zum Vergnügen der Menschen gedacht. Dass Delfine depressiv werden, interessiert dabei niemanden. Die Tiere müssen Tricks lernen, um die Besucher zu unterhalten. Weigern sie sich, werden sie mit Einzelhaltung bestraft, was den angeschlagenen Tieren noch das Letzte nimmt, was sie tröstet: ihre Artgenossen.

 

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Lulu wollte nicht, dass ihr Kind in einem Gefängnis aufwachsen muss, ohne Hoffnung, jemals frei schwimmen zu können. Die Leitung des Aquariums behauptet, die Tötung eines Kindes komme bei Delfinen manchmal vor, weil diese nicht wüssten, wie sich gute Eltern zu verhalten hätten. In freier Wildbahn passiert so etwas jedoch nie. Das Schicksal der Tiere ist unfassbar traurig. Hoffentlich hat diese sinnlose Quälerei bald ein Ende.

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